September 26, 2017

Artikelreihe Udhr bil-Jahl – Unwissenheit als Entschuldigungsgrund (1): Ibn Taymiyyah und der Mann, der sich verbrennen ließ

Artikelreihe Udhr bil-Jahl – Unwissenheit als Entschuldigungsgrund (1): Ibn Taymiyyah und der Mann, der sich verbrennen ließ


 

 

Der Prophet (sallallahu alayhi wa sallam) sagte:

„Ein Mann hatte in seinem ganzen Leben nichts Gutes vollbracht. Als er starb, ordnete er darum an, verbrannt zu werden und die Hälfte seiner Asche zu Land und die andere Hälfte über dem Meer zu verstreuen. Bei Allah, hätte Allah es ihm vorherbestimmt, so hätte Er ihn bestraft wie keinen anderen auf dieser Welt. Da befahl Allah dem Meer, herauszugeben, was es in sich barg und Er setzte es zusammen. Dann befahl Er dem Land, das herauszugeben, was es in sich barg und setzte es zusammen. Daraufhin sprach Er (zu dem Mann): „Warum hast du das getan?“ Er antwortete: „Aus Furcht vor Dir und Du weißt es am besten.“ Da vergab Er ihm.“ [al-Buhary und Muslim] 

 

Shaykhul Islam Ibn Taymiyyah sagte:

„Ich dachte immer wieder an diesen Hadith. Denn dieser Mann hatte Zweifel an der Macht Allahs und an (der Möglichkeit) seiner eigenen Wiederaufstehung, wenn er vom Wind zerstreut worden wäre. Er war sich gewiss, dass er nicht zurückgebracht werden würde. Das aber ist, nach übereinstimmender Meinung der Muslime, Kufr. Er aber war unwissend und besaß keinerlei Kenntnis davon und er war auch gläubig und fürchtete, dass Allah ihn bestrafen würde. Darum aber vergab ihm Allah“ [al-Fatawa, 231/3] 

Ebenso sagt ibn Taymiyyah:

„Dieser Mann hegte Zweifel um die Macht Allahs und besaß kein Wissen davon, dass E ihn aus diesem Zustand zurückkehren lassen konnte, in den ihn zu bringen er seine Familie befohlen hatte. Er meinte, dass Allah denjenigen, der verbrannt und dessen Asche verstreut wurde, nicht zurückbringen könne und dass Er ihn, wenn das mit ihm geschehen war, nicht auferstehen lassen könne. Das war seine Vermutung, derer er sich niht völlig gewiss war. Dies enthält zwei wesentliche Aspekte: 

Der eine betrifft Allah, nämlich der Iman daran, dass Er zu allem die Macht besitzt. 

Der andere betrifft den Jüngsten Tag, nämlich den Iman daran, dass Allah deisen Verstorbenen zurückbringt, wie auch immer sein Ende gewesen sein mag. Es besteht kein Zweifel daran, dass Er ihn wieder auferweckt und ihn für seine Taten entlohnt. 

Dieser Mann aber glaubte zur Gänze an Allah und er glaubte zur Gänze an den Jüngsten Tag, dass Allah nämlich nach dem Tod belohnt und bestraft und aufgrund dieser seiner guten Tat, nämlich seiner Furcht, dass Allah ihn für seine Nachlässigkeit bestrafen würde, vergab Er ihm“ [Magmuah ar-Rasa’il wa l-Masa’il, 13/3] 

 

Šaykh Šams ud-Dīn Ibn al-Qayyim [rahimahullāh] sagte:

„وأما جحد ذلك جهلا أو تأويلا يعذر فيه صاحبه فلا يكفر صاحبه به كحديث الذي جحد قدرة الله عليه ، وأمر أهله أن يحرقوه ويذروه في الريح ، ومع هذا فقد غفر الله له ورحمه لجهله ، إذ كان ذلك الذي فعله مبلغ علمه ، ولم يجحد قدرة الله على إعادته عنادا أو تكذيبا

„Was jedoch das Leugen angeht so ist dies aus Unwissenheit oder einer Interpretation welche entschuldigt wird und der jenige der dies tut wird nicht als Kafir bezeichnet wie in dem Hadith in dem Allāhs Kraft geleugnet wurde und er seiner Familie befahl ihn zu verbrennen und ihn zu verstreuen und trotz dieser Unwissenheit vergab Allāh ihm und erbarmte sich ihm, denn dies was er tat, tat er aus seinem Wissen heraus und nicht in der Leugnung der Macht Allahs, weder aus Sturrheit noch aus Lüge [gegenüber Allāh].“ [ibn al-Qayyim; Madārij as-Sālikīn, 1/338]

About The Author

Kommentar verfassen