November 19, 2017

Imam Dhahabi und die Selbstkritik an seinem Buch al-Uluuw

Imam Dhahabi und die Selbstkritik an seinem Buch al-Uluuw.


 

Imām Šams ud-Dīn adh-Dhahabī [rahimahullāh gest. 748 n.H.] über sein eigenes Buch, welches er während seines 25. Lebensjahr schrieb, namens „al-Ulūw lil’Alī il-Ghafār“ in der er hoch komplexe Thematiken über die Gottesattribute behandelt hat, welches er aber dann bereute geschrieben zu haben.

Imām Šams ud-Dīn Ibn Nāsir ad-Dimašqī [rahimahullāh gest. 842 n.H.] hat das Manuskript seiner Stellungnahme mit Imām Dhahabīs Handschrift gesehen und beglaubigt.

Vorab wer war Imām ibn Nāsir ad-Dimašqī?

Šaykh al-Islām Jalāl ud-Dīn as-Suyūtī schreibt über ihn:

الحافظ شمس الدين محمد بن ابي بكر بن عبد الله بن محمد الدمشقي…. وصار محدث البلاد الدمشق

„Der Hāfiz Šams ud-Dīn Muhammad ibn Abī Bakr ibn Abdillāh ibn Muhammad ad-Dimašqī…Er wurde ein führender Hadīthgelehrter von Damaskus [seiner Zeit]….“

[Suyūtī, Dhīl Tadhkiratul Huffāz ad-Dhahabī, S.378, Dār Kutub il-Ilmīya, 2009]

Imām Sakhawī sagt unter anderen über seine Lehrer:

ومن شيوخه ابو هريرة ابن الذهبي

„Und unter seinen Lehrern ist Abū Hurayrah der Sohn [Imām] Dhahabīs.“

[Sakhawī, in seiner Biographie zu Ibn Nāsir ad-Dimašqī]

Dieser Imām ibn Nāsir überliefert authentisch die Aussage von Imām Dhahabī über sein Buch „al-Ulūw“ gen Ende seines Lebens:

قال المؤلف وله الله فيما وجدته نجطه على هامش المسودة سنة ثمان و تسعين وستمائة على أنَّ فيه أحداث نبهنى على وهنها وأقوال طوائف قد توسعوا في العبارة فلا أنا موافق على تلك العبارت ولا مقلد لهم والله يغفر لهم ولا التزم بها ما أجمع على الدهر و بهذا أدين و أعلم إن الله ليس كمثله شيء سبحان و تعالى

„Der Autor [Dhahabī] sagte, und Allāh ist sein Zeuge, mit seiner eigenen Handschrift in der Randnotiz des Original Manuskripts welches geschrieben wurde im Jahre 698:

„Das Buch enthält Überlieferungen welche nicht vertrauenswürdig sind und Aussagen von Leuten die fahrlässig mit ihren Aussagen umgingen. So stütze ich mich weder auf diese Aussagen noch befolge ich sie, möge Allāh ihnen vergeben. Noch werde ich mich jemals an diese Aussagen binden. Und deswegen glaube ich daran und bin wissend darüber, dass Allāh „nichts und niemanden gleicht.“[42:11] subhānahu wa ta’āla.“

[unten das Foto des Original Manuskripts von Nāsir ud-Dīn ad-Dimašqī]

Einige behaupten, dass Imām Ibn Nasīr damit nicht das Buch meinte. Aber wie gesagt alles Lob gebührt Allāh dafür, dass es die Tinte gibt. In dem Originalmanuskript steht in der Überschrift:

كتاب العلو للعلى الغفار

„Kitāb al-Uluww lil-Alī il-Ghaffar“

Das soll nicht heißen, dass nicht auch authentische Überlieferungen in diesem Buch stehen, aber wer Imām Dhahabī wirklich kennt der weiß, dass er in seiner Reife diesen Streitthemen aus dem Weg ging und es nicht mochte, dass die Muslime sich deswegen anfeindeten.

 

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Und nun schauen wir wie er mit Gelehrten einer anderen Denkschule umging: Imām Dhahabī sagte über Hujjat ul-Islām al-Ghazālī [rahimahullāh anhum] (gestorben 1111 in Tus/Iran):

الشيخ الإمام البحر ، حجة الإسلام ، أعجوبة الزمان زين الدين أبو حامد محمد بن محمد بن محمد بن أحمد الطوسي ، الشافعي ، الغزالي ، صاحب التصانيف ، والذكاء المفرط تفقه ببلده أولا ، ثم تحول إلى نيسابور في مرافقة جماعة من الطلبة ، فلازم إمام الحرمين ، فبرع في الفقه في مدة قريبة ، ومهر في الكلام والجدل ، حتى صار عين المناظرين

„Der Šaykh, der Imām, Der Ozean [des Islams], das Zeichen des Islāms, das Wunder seiner Zeit, Zayn ud-Dīn ‚Abū Hamīd Muhammad ‚ibn Muhammad ‚ibn Muhammad ‚ibn ‚Ahmad at-Tūsī aš-Šāfi’ī al-Ghazālī, der Autor vieler Bücher und [er war] im Besitz von äußerster Intelligenz. Er studierte Fiqh in seiner eigenen Stadt, dann zog er in der Gesellschaft von einer Gruppe von Studenten nach Nisapūr. Er blieb bei dem Imām Al-Haramayn [al-Juwaynī] und erlangte innerhalb einer kurzen Zeit ein tiefes Wissen über Fiqh. Er war gut bewandert in ‚Ilm ul-Kalām und Debattieren, bis er der beste Debattierer wurde“ [Dhahabī, Siyar A’lām an-Nubalā‘, Band 9, S. 323]

Wie bekannt ist, war Imām Ghazālī [rahimahullāh] ein Šāfi’ī im Fiqh und dementsprechend wie die meisten Šāfi’īten auch ein Aš’ārī in theologischen Themen. Šaykh al-Islām Šams ud-Dīn adh-Dhahabī [rahimahullāh] zeigt den Umgang und Respekt eines Gelehrten, wie umgangen wird mit einem Gelehrten, der mit ihm in den theologischen Themen differierte.

Voran Dhahabī sagte über Ghazālī:

وقَد كَانَ عَلَى رَأس الْأرْبَع مئة الشَّيْخ أَبُوْ حَامِدٍ الْإسْفَرَايينِي، وَعَلَى رَأس الخَمْس مئة أَبُوْ حَاْمِد الْغزَالِي، وَعَلَى رأس السِّت مئة الْحَافِظ عَبْد الْغَنِي، وَعَلَى رَأس السَّبْع مئة شَيْخُنَا أَبُوْ الْفَتْح إبْنُ دَقِيق الْعِيْد.“

„[Ich Dhahabī sage:] Der angekündigte Gelehrte des Anfangs des 4. Jahrhunderts ist Šaykh Abū Hamīd al-Isfarā’īnī, der Gelehrte des 5. Jahrhunderts ist Abū Hamīd al-Ghazālī, der Gelehrte des 6. Jahrhunderts ist al-Hāfiz abd al-Ghanī und der Gelehrte des 7. Jahrhunderts ist unser Šaykh Abūl Fath ibn Daqīq al-Īd.“ [Dhahabī, Siyar a’lām an-Nubalā 14/203]

Imām Dhahabī sagt dann grob und das wichtigste zusammenfassend wie die Aqīda von Ghazālī war:

ومن عقيدة أبي حامد رحمه الله تعالى أولها : الحمد لله الذي تعرف إلى عباده بكتابه المنزل على لسان نبيه المرسل ، بأنه في ذاته واحد لا شريك له ، فرد لا مثل له ، صمد لا ضد له ، لم يزل ولا يزال منعوتا بنعوت الجلال ، ولا تحيط به الجهات ، ولا تكنفه السماوات ، وأنه مستو على العرش على الوجه الذي قاله ، وبالمعنى الذي أراده ، منزها عن المماسة والاستقرار والتمكن والحلول والانتقال ، وهو فوق كل شيء إلى التخوم ، وهو أقرب إلينا من حبل الوريد ، لا يماثل قربه قرب الأجسام ، كان قبل خلق المكان والزمان ، وهو الآن على ما كان عليه ، وأنه بائن بصفاته من خلقه ، ما في ذاته سواه ، ولا في سواه ذاته ، مقدس عن التغير والانتقال ، لا تحله الحوادث ، وأنه مرئي الذات بالأبصار في دار القرار ، إتماما للنعم بالنظر إلى وجهه الكريم

„Und von der Aqīda von Abū Hamīd, Allāh erbarme Sich seiner, ist folgendes: „Alles Lob gebührt Allāh, der Seinen Diener die Erkenntnis schickte durch Sein Buch welches Er herabsandte in der Sprache Seines Propheten, dem Gesandten. Und Sein Wesen ist Eins und ihm gebührt kein Teilhaber. Er ist Einzig und nichts gleicht Ihm. Er ist Bedürfnislos und er hat kein Gegenteil Er verging nicht und wird nicht vergehen. Er wird mit den Eigenschaften der Erhabenheit beschrieben. Weder kann man Ihm eine Richtung zuschreiben, noch können die Himmelsrichtungen Ihn umfassen. Er ist erhoben über dem Thron, so wie Er es sagte und mit der Bedeutung, die er beabsichtigte, erhaben über die Berührung und das Aufsteigen und Ortseinahme und Inkarnation [in seine Schöpfung] und Bewegung. Er ist über seiner gesamten Schöpfung. Und er ist uns näher als unsere Halsschlagader und seine Nähe ähnelt nicht der Nähe der Körper. Er existierte vor der Schöpfung von Ort und Zeit und er ist jetzt immer noch so wie er damals war. Und er ist mit seinen Eigenschaften getrennt von seiner Schöpfung. Sein Wesen enthält nichts anderes als Ihn und alles Andere enthält nichts von Seinem Wesen. Erhaben über die Veränderung und die Bewegung. Die begonnenen Dinge vermischen sich nicht mit ihm. Und sein Wesen wird in der ewigen Wohnstätte durch den Blick auf sein edles Angesicht gesehen, als Vervollständigung der Gnaden.“ [Dhahabī, Siyār a’lam an-Nubalā, 4/326]

Unter anderem dazu sagte er [rahimahullāh] dann weiter folgende Worte als Kommentar: قلت : بل ميزان الأعمال له كفتان ، كما جاء في “ الصحيح “ وهذا المعتقد غالبه صحيح ، وفيه ما لم أفهمه ، وبعضه فيه نزاع بين أهل المذاهب ، ويكفي المسلم في الإيمان أن يؤمن بالله ، وملائكته ، وكتبه ، ورسله ، والقدر خيره وشره ، والبعث بعد الموت ، وأن الله ليس كمثله شيء أصلا ، وأن ما ورد من صفاته المقدسة حق ، يمر كما جاء ، وأن القرآن كلام الله وتنزيله ، وأنه غير مخلوق ، إلى أمثال ذلك مما أجمعت عليه الأمة ، ولا عبرة بمن شذ منهم ، فإن اختلفت الأمة في شيء من مشكل أصول دينهم ، لزمنا فيه الصمت ، وفوضناه إلى الله ، وقلنا : الله ورسوله أعلم ، ووسعنا فيه السكوت . فرحم الله الإمام أبا حامد ، فأين مثله في علومه وفضائله ، ولكن لا ندعي عصمته من الغلط والخطأ ، ولا تقليد في الأصول

„Ich [Dhahabī] sagte: Was die Waage der Taten so hat es zwei Hände, so wie es im authentischen Werk heißt, und dies ist was die Glaubenslehren angeht, das meisten davon ist korrekt, [und jetzt schaue man auf seine Gerechtigkeit:] UND DARIN IST EINIGES WAS ICH NICHT VERSTEHE, und einiges davon ist wegen den vorhandenen Meinungsverschiedenheiten der Rechtsschulen [Streit zwischen den Hanbalīs und Aš’ārīs]. Es genügt für einen Muslim dass man, an Allāh , Seinen Engeln, Seinen Büchern, Seinen Propheten, der Vorherbestimmung des Guten und des Schlechten, dem Tag der Auferstehung, glaubt. Das man daran glaubt das nichts [und niemand] Allāh ﷻ gleicht, und das die makellosen Eigenschaften [Allāhs] wahr sind, und es so lässt, wie sie gekommen sind. Und das der Qur’ān Allāhs Rede ist, was offenbart wurde, und es ist nicht erschaffen und weiteres [Glaubenslehren] worüber es einen Konsens gibt, während das [Aussagen gegen Konsens], was isoliert und einzeln vorkommt nicht berücksichtigt wird. So wenn die Ummah nicht übereinkommt in einer Angelegenheit, welche zu den komplizierten Angelegenheiten der Usūl ud-Dīn [Glaubensfundamente] gehört, so ist es notwendig [für uns] das wir [darüber] schweigen, und es Allāh  überlassen und sagen: „Allāh  und sein Prophet  wissen es am besten und uns obliegt das wir darüber ruhig sind.“ So möge Allāh  sich Abū Hamīd [al-Ghazālī] erbarmen, denn, wer ist schon wie er [Ghazālī] im Wissen und der Tugendhaftigkeit, doch [natürlich] sprechen wir ihn nicht frei von Fehlern und es gibt keinen Taqlīd [Blindfolgen] in den Usūl [Fundamenten].“ [Dhahabī, Siyār a’lam an-Nubalā, 4:326]

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