November 20, 2017

Die 4 Rechtsschulen und die Rezitation des Qur’ān für die verstorbenen Muslime

Die 4 Rechtsschulen und die Rezitation des Qur’ān für die verstorbenen Muslime:


Einige unwissende Leute, auch unter ihnen die Anhänger der Khawārij, behaupten, dass das Rezitieren der Sūrah al-Fātihah und die Rezitation des Qur’ān insgesamt, für die verstorbenen Muslime verboten wäre. Mit dieser Behauptung widersprechen diese Leute den vier auserwählten Rechtsschulen. Sie leugnen somit etwas gemeinhin Akzeptiertes und stellen sich damit selbst bloß.

1. Die šāfi’ītische Rechtsschule :

Šaykh al-Islām Muhī ud-Dīn an-Nawawī [rahimahullāh gest. 676 n.H.] sagte in seinem Werk „al-Adhkār“ folgendes:

وروينا في سنن البيهقي بإسناد حسن؛ أن ابن عمر استحبَّ أن يقرأ على القبر بعد الدفن أوّل سورة البقرة وخاتمتها“. وقال : “ قال الشافعي والأصحاب: يُستحبّ أن يقرؤوا عنده شيئاً من القرآن، قالوا: فإن ختموا القرآن كلَّه كان حسناً

„Wir überlieferten von den Sunān al-Kubrā des Imām al-Bayhaqī, mit einer gesunden [Hasan] Überlieferungskette, dass Ibn ʿUmar empfahl, nach der Beerdigung, die ersten und letzten Verse der Sūrah al-Baqarah beim Grab zu rezitieren.“

Er sagte auch: „aš-Šāfi’ī und die Ashāb [die šāfi’ītischen Gelehrten] sagten: „Es ist empfohlen bei ihm [dem Verstorbenen] etwas vom Qur’ān zu rezitieren.“ Sie sagten: „Wenn der gesamte Qur’ān rezitiert werden würde, so wäre es gut.‘“

ebenfalls in „al-Adhkār“ an anderer Stelle:

ويستحب للزائر الإكثار من قراءة القرآن والذكر، والدعاء لأهل تلك المقبرة وسائر الموتى والمسلمين أجمعين. ويستحبّ الإكثار من الزيارة، وأن يكثر الوقوف عند قبور أهل الخير والفضل

„Es ist für den Besucher [der Gräber] empfohlen viel vom Qur’ān zu rezitieren, Dhikr und Bittgebete für die Bewohner dieser Grabstätte zu machen, sowie für andere verstorbene Muslime. Es ist empfohlen die Grabstätten oft zu besuchen und lange bei den Gräbern der Leute des Guten und der Vorzüglichkeit zu stehen.“

Wieder an anderer Stelle in „al-Adhkār“, sagt er:

ويستحب أن يقعد عنده بعد الفراغ ساعة قدر ما ينحر جزور ويقسم لحمها، ويشتغل القاعدون بتلاوة القرآن، والدعاء للميت، والوعظ، وحكايات أهل الخير، وأحوال الصالحين

„Es ist empfohlen nach der Beerdigung bei ihm [dem Verstorbenen] ein Weile zu sitzen. Die Sitzenden beschäftigen sich mit der Rezitation des Qur’ān, Bittgebete für den Verstorbenen, Ermahnungen, Geschichten über die Leute des Guten und die Zustände der Rechtschaffenen [Sālihīn].“

Šaykh al-Islām Jalāl ud-Dīn as-Suyutī [rahimahullāh gest. 911 n.H.] sagte:

وأما قراءة القرءان على القبر فجزم بمشروعيتها أصحابنا

„Was die Rezitation beim Grab [für den verstorbenen Muslim] betrifft, so haben sich unsere Gefährten [die šāfiʿitischen Gelehrten] definitiv festgelegt hinsichtlich der Empfehlung.“

[Suyūtī, Šarh as-Sudūr“ (S.311)]

Ebenfalls sagte er:

„Wenn jemand von den Bewohnern Madinahs starb, versammelten sie sich um sein Grab und rezitierten für ihn den Quran.“

[شرح الصدور ] Seite 403

2. Die hanbalītische Rechtsschule:

Al-Mirdāwī al-Hanbalī [rahimahullāh] sagte:

قَوْلُهُ وَلَا تُكْرَهُ الْقِرَاءَةُ على الْقَبْرِ في أَصَحِّ الرِّوَايَتَيْنِ. وَهَذَا الْمَذْهَبُ قَالَهُ في الْفُرُوعِ وَغَيْرِهِ وَنَصَّ عليه. قال الشَّارِحُ هذا الْمَشْهُورُ عن أَحْمَدَ. قال الْخَلَّالُ وَصَاحِبُ الْمَذْهَبِ رِوَايَةٌ وَاحِدَةٌ لَا تُكْرَهُ وَعَلَيْهِ أَكْثَرُ الْأَصْحَابِ منهم الْقَاضِي وَجَزَمَ بِهِ في الْوَجِيزِ وَغَيْرِهِ وَقَدَّمَهُ في الْفُرُوعِ وَالْمُغْنِي وَالشَّرْحِ وابن تَمِيمٍ وَالْفَائِقِ وَغَيْرِهِمْ

„Seine Aussage, dass die Rezitation des Qur’ān beim Grab nicht verhasst ist; So ist dieses die authentischste der beiden Überlieferungen. Dieses entspricht der Rechtsschule [von Imām Ahmad], dieses sagte er in al-Furūʿ, in anderen Werken und er führte dieses an. Der Erläuterer sagte: ‚Dieses ist berühmt [Mašhūr] von Ahmad [Ibn Hanbal]‘. Al-Khallāl und der Gründer der Rechtsschule sagten, in einer Überlieferung, dass es nicht verhasst ist [den Qur’ān für den verstorbenen Muslim zu rezitieren]. Darauf sind die meisten Ashāb [hanbalitischen Gelehrten], zu ihnen gehört al-Qādī, er legte sich in al-Wadjīz und anderen Werken darauf fest. Er präsentierte es in al-Furūʿ, al-Mughnī und aš-Šarh. [Dieses sagte] Ebenfalls Ibn Tamīm, al-Fā’iq und andere.“

[al-Insāf (2/557)]

Šaykh al-Islām Muwaffaq ud-Dīn Ibn Qudāmah al-Maqdisī [rahimahullāh gest. 620 n.H.] in „al-Mughnī“, sagte:

في المغني مع الشرح الكبير لابن قدامة قال: فصل : قال : ولا بأس بالقراءة عند القبر ، وقد روي عن أحمد أنه قال : إذا دخلتم المقابر اقرءوا آية الكرسي وثلاث مرات قل هو الله أحد ، ثم قل : اللهم إن فضله لأهل المقابر. وقال الخلال : حدثني أبو علي الحسن بن الهيثم البزار ، شيخنا الثقة المأمون ، قال : رأيت أحمد بن حنبل يصلي خلف ضرير يقرأ على القبور

„Es liegt nichts Schlimmes darin den Qur’ān beim Grab zu rezitieren. Und es wurde von Ahmad überliefert, dass er sagte: ‚Wenn ihr die Grabstätten besucht, dann rezitiert die āyah al-Kursī und drei Mal die Sūrah al-Ikhlās. Sage dann: O Allāh, lasse das Gute dieser Rezitation den Grabbewohnern zukommen.‘ Al-Khallāl sagte: Es berichtete mir Abū Alī al-Hasan Ibn al-Haytham al-Bazzār, unser vertrauenswürdiger [Thiqah] Šaykh, er sagte: „Ich sah wie Ahmad Ibn Hanbal hinter dem blinden Mann betete, der den Qur’ān bei den Gräbern rezitierte.'“

[Ibn Qudāma, al-Mughnī, Band 2, Nr.1686]

Und er sagte ebenfalls:

المسلمون يجتمعون في كل مصر ويقرؤون ويهدون لموتاهم ولم ينكره منكر فكان إجماعا

„Die Muslime versammeln sich in jedem Land um den Qur’ān zu rezitieren und schenken das Gute der Rezitation ihren Verstorbenen. Und kein Kritiker hat dieses abgelehnt, somit ist dieses ein Konsens [Idjmāʿ].“

[Ibn Qudāma, al-Kāfī“ (2/83)]

Šaykh al-Islām Taqī ud-Dīn ibn Taymīyah [rahimahullāh gest. 728 n.H.] sagte:

من قرأ القرءان محتسبا وأهداه إلى الميت نفعه ذلك

„Wer den Qur’ān für den Verstorbenen rezitiert und ihm das Gute der Rezitation schenkt, dem nutzt dieses.“

[Ibn Taymīyah, Majmū al-Fatāwā (24/324)]

Imam Burhan ad Din Ibn Muflih sagte:

Gemäß der richtigeren Überlieferung [von Imam Ahmad] ist es nicht verpönt, am Grab oder auf dem Friedhof [den Quran] zu rezitieren. Das ist die vorherrschende Meinung der Rechtsschule.

[المبدع] Band 2, Seite 281

3. Die hanafītische Rechtsschule:

ʿAlā’ ad-Dīn al-Haskafī al-Hanafī [rahimahullāh] sagte in und in den Anmerkungen dazu in „ar-Radd al-Muhtār“ von Ibn ʿAbidīn al-Hanafī, bezüglich der Grabbesucher, dass sie folgendes sagen:

الشيخ محمد علاء الدين الحصكفي في كتابه الدر المختار في شرح تنوير الأبصار ج2/242 (من حاشية رد المحتار على الدر المختار – على اختلاف في الطبعات) حيث قال في زيارة القبور إن زائرها يقول: „السلام عليكم دار قوم مؤمنين، وإنا إن شاء اللّه بكم لاحقون، ويقرأ يس“. انتهى كلامه، وأقره صاحب الحاشية ابن عابدين الحنفي

„As-Salāmu ʿalaykum, Stätte der Gläubigen. Wir werden euch, In šā Allāh, folgen. Dann rezitiert er die Sūrah Yāsīn.“

Ibn ʿAbidīn al-Hanafī bestätigt dieses in seinen Anmerkungen dazu in „ar-Radd al-Muhtār“

[al-Haskafī, ad-Durr al-Mukhtār“ (2/242); Ibn Ābidīn al-Radd al-Mukhtār, ad-Durr al-Mukhtār“ (2/242)]

Imam Badr ad Din al Ayni [rahimahullāh gest. 855 n.H.] sagte:

„Es ist nichts Falsches daran, den Quran an Gräbern zu rezitieren.“

[البناية شرح الهداية] Band 3, Seite 306

4. Die mālikitische Rechtsschule:

Šams ud-Dīn al-Qurtubī [rahimahullāh gest. 671 n.H.] bestätigte in „at-Tadhkirah“ (S.99-109 in den unterschiedlichen Auflagen) die Erlaubnis für das Rezitieren des Qur’ān beim Grab und nannte sogar das Kapitel:

قال القرطبي في كتابه التذكرة ص99-109 (على اختلاف في الطبعات) بجواز قراءة القرءان على القبر وأجاد بذلك حتى إنه سمى الباب „ما جاء في قراءة القرءان عند القبر حالة الدفن وبعده وأنه يصل إلى الميت ثواب ما يقرأ ويدعى ويستغفر له ويتصدق عليه“.

„Was bezüglich der Rezitation des Qur’ān beim Grab kam, während der Beerdigung und danach, und dass das Gute der Rezitation, die für den Verstorbenen gemacht wird, ihn erreicht.“

[Qurtubī, al-Tadhkira, S.99-109]

Imam Abu Isa al Mahdi al Wazzani [rahimahullāh gest. 1923 n.Chr.] sagte:

„Was das Rezitieren [des Quran] an einem Grab angeht, so legten Ibn Rushd [in الأجوبة], Ibn al Arabi [in أحكام القرآن] und al Qurtubi [التذكرة] fest, dass die Rezitation ihm — damit meine ich den Toten — nutzt, ob am Grab oder zu Hause rezitiert wird.“

[النوازل الصغرى] Band 1, Seite 166

 

Alles Lob gebührt Allāh, der das Wissen dieser Ummah durch auserwählte Mujtahidīn festigt.

An dieser Stelle möchte ich noch den Tafsīr von ibn Rajjab erwähnen über den Vers:

Allāh ﷻ sagt in seinem heilig’n Qur’ān:

إِنَّا نَحْنُ نَزَّلْنَا الذِّكْرَ وَإِنَّا لَهُ لَحَافِظُونَ

„Wahrlich, Wir Selbst haben diese Ermahnung hinabgesandt, und sicherlich werden Wir ihr Hüter sein.“

[al-Hijr:9]

al-Hāfīz Abū al-Faraj Taqī ud-Dīn abd ar-Rahmān ibn Ahmad ibn Rajab al-Hanbalī [rahimahullāh, gest. 795 n.H.] legte den Vers wie folgt aus:

لا ريب إن الله – تعالى – حفظ لهذه الأمة دينها حفظاً لم بحفظ مثله ديناً غير دين هذه الأمة، وذلك أن هذه الأمة ليس بعدها نبي يحدد ما دثر من دينها كما كان دين من قبلنا من الأنبياء، كلم دثر دين نبي
جدده نبي آخر يأتي بعده
فتكفل الله بحفظ هذا الدين، وقام له في كل عصر حملة ينفون عنه تحريف الغالين و إنتحال المبطلين
وتأويل للجاهلين

„Ohne Zweifel, wahrlich hat Allāh, der Erhabene, diese Ummah [Anhänger des letzten Propheten Muhammads] geschützt. Er schützt diese geschützte Religion, so wie er keine andere Religion geschützt hat. Und dies ist so, weil diese Ummah keinen Propheten mehr bekommt, der ihnen ihre Religion wieder erneuert [erfrischt] vor den falschen Dingen die die Religion befallen haben, so wie es der Fall war, bei den vorausgegangen Religionen der Propheten. Jede Religion eines Propheten, welche befallen wurde von falschen Dingen, wurde von dem nachfolgenden Propheten der nach ihm kam bereinigt. Deswegen gewährleistet Allāh dieser Religion, dass er sie bewahren wird und er bestimmte in jedem Zeitalter für sie Treuhänder [Gelehrte] die von ihr [der Religion] die Übertreibung der Übertreiber, die Verfälschung der Lügner und Fehlinterpretation der Unwissenden beseitigt.“

[Ibn Rajjab, Majmū al-Rasā’il, Kapitel: ar-Radd alā man Ittaba’a ghayr al-Madhā’hib al-Arba’a]

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