September 26, 2017

Imam Ahmad, Ibn Hajjar al-Asqalani und ibn Taymiyyah über die Khawarij

Der Walī Allāhs Ahmad Ibn Hanbal [rahimahullāh gest. 241 n.H.] sagte:

وأما الجوارج؛ فإنهم يسمون أهل السنة والجماعة؛ مرجئة، وكذبت الخوارج في قولهم، بل هم المرجئة، يزعمون أنهم على إيمان وحق دون الناس, ومن خالفهم كافر

„Und die Khawārij: [Ein Merkmal ist:] Sie bezeichnen die Ahl us-Sunnah wa al-Jamā’a als „Murji’a“. Und die Khawārij haben in ihrer Aussage gelogen, vielmehr sind sie die Murji’a. Sie behaupten, dass sie die einzigen sind, die Glauben [Imān] haben und auf der Wahrheit sind, und wer auch immer ihnen widerspricht, der ist [für sie] ein Kafir [oder in ihrer heutigen Sprache: dreckiger Mushrik].“

[Abu Ya’lā, Tabaqāt al-Hanābila, S. 36, Druckversion: Muttaba’at us-Sunnah, Jahr: 2016]

 

Khātimat ul-Huffāz aš-Šihāb Ahmad Ibn Hajjar al-Asqalānī [gest. 852 n.H.] sagte über die Khawārij:

وإنما فسقوا بتكفيرهم المسلمين مستندين إلى تأويل فاسد وجرهم ذلك إلى استباحة دماء مخالفيهم وأموالهم والشهادة عليهم بالكفر والشرك

„Und ihr Frevel ist es, dass sie Takfīr auf die Muslīme machen, und dies wegen ihrem verdorbenen Verständnis [der Texte des Islāms]. Dies brachte sie dazu, dass Blut und das Vermögen ihrer Widersacher zu [vergießen] erlauben, weil sie über sie mit dem Kufr und dem Širk urteilen.“

[Ibn Hajjar, Fath ul-Bārī bi Šarh Sahīh al-Bukhārī, Hadīthnr. 6534]

Shayh at-Taqī ibn Taymīyah [rahimahullāh gest. 728 n.H.] sagte:

أي أنهم- أي الخوارج – شر على المسلمين من غيرهم، فإنهم لم يكن أحد شرًّا على المسلمين منهم؛ لا اليهود ولا النصارى، فإنهم كانوا مجتهدين في قتل كل مسلم لم يوافقهم، مستحلّين الدماء المسلمين وأموالهم وقتل أولادهم، مكفّرين لهم، وكانوا، متدينين بذلك لعظم جهلهم وبدعتهم المضلًة

„Sie [die Khawārij] sind übler in ihrem Schaden für die Muslime als andere, es gibt keinen, der den Muslimen mehr schadet, nicht die Juden und nicht die Christen. Sie sind bemüht darum, jeden Muslim zu töten, der ihnen nicht zustimmt und erklären das Blut, das Vermögen und das Töten der Kinder der Muslime als erlaubt, da sie auf sie Takfīr machen. Und sie sehen dies als [eine Art] Gottesdienst an, aufgrund ihrer großen Unwissenheit und ihrer irreleitenden Erneuerung.“

[Ibn Taymīyyah, Minhāj us-Sunnat in-Nabawīyah, Band 4, Seite 248, Druckversion: Jāmi’at al-Imām Muhammad ibn Sa’ūd al-Islamīya, Jahr: 1406/1986]

Das Problem der Khawārij war, ist und wird immer sein, dass sie den Qur’ān und die Verse des Qur’āns so auslegen wie sie es wollen und kleingeistig sind. Sie wollen den Qur’ān nicht so verstehen wie es die Gelehrten verstehen, wie in diesem Fall der Mujtahid unser Meister und Amīr ul-Mu’minīn Alī ibn Abī Tālib ibn abd al-Mutallib [radī Allāhu anhu]. In diesem Ereignis bekommt man einen kleinen Einblick in die Philosophie und dem Verständnis der Khawārij. In dieser Periode nannte man diese Leute ,,Harurīya“, gemeint waren die Khawārij.

Shaykh al-Islām ibn Hajjar al-Asqalānī [rahimahullāh] überliefert von Shaykh al-Islām al-Bayhaqī [rahimahullāh] folgendes:

عَبْدِ اللَّهِ بْنِ شَدَّادٍ أَنَّهُ دَخَلَ عَلَى عَائِشَةَ مَرْجِعَهُ مِنَ الْعِرَاقِ لَيَالِيَ قُتِلَ عَلِيٌّ فَقَالَتْ لَهُ عَائِشَةُ تُحَدِّثُنِي بِأَمْرِ هَؤُلَاءِ الْقَوْمِ الَّذِينَ قَتَلَهُمْ عَلِيٌّ قَالَ إِنَّ عَلِيًّا لَمَّا كَاتَبَ مُعَاوِيَةَ وَحَكَّمَا الْحَكَمَيْنِ خَرَجَ عَلَيْهِ ثَمَانِيَةُ آلَافٍ مِنْ قُرَّاءِ النَّاسِ فَنَزَلُوا بِأَرْضٍ يُقَالُ لَهَا حَرُورَاءُ مِنْ جَانِبِ الْكُوفَةِ وَعَتَبُوا عَلَيْهِ فَقَالُوا انْسَلَخْتَ مِنْ قَمِيصٍ أَلْبَسَكَهُ اللَّهُ وَمِنِ اسْمٍ سَمَّاكَ اللَّهُ بِهِ ثُمَّ حَكَّمْتَ الرِّجَالَ فِي دِينِ اللَّهِ وَلَا حُكْمَ إِلَّا لِلَّهِ فَبَلَغَ ذَلِكَ عَلِيًّا فَجَمَعَ النَّاسَ فَدَعَا بِمُصْحَفٍ عَظِيمٍ فَجَعَلَ يَضْرِبُهُ بِيَدِهِ وَيَقُولُ أَيُّهَا الْمُصْحَفُ حَدِّثِ النَّاسَ فَقَالُوا مَا ذَا إِنْسَانٌ إِنَّمَا هُوَ مِدَادٌ وَوَرَقٌ وَنَحْنُ نَتَكَلَّمُ بِمَا رُوِّينَا مِنْهُ فَقَالَ كِتَابُ اللَّهِ بَيْنِي وَبَيْنَ هَؤُلَاءِ يَقُولُ اللَّهُ فِي امْرَأَةِ رَجُلٍ وَإِنْ خِفْتُمْ شِقَاقَ بَيْنِهِمَا فَابْعَثُوا الْآيَةَ وَأُمَّةُ مُحَمَّدٍ أَعْظَمُ مِنِ امْرَأَةِ رَجُلٍ وَنَقَمُوا عَلَيَّ أَنْ كَاتَبْتُ مُعَاوِيَةَ وَقَدْ كَاتَبَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ سُهَيْلَ بْنَ عَمْرٍو وَلَقَدْ كَانَ لَكُمْ فِي رَسُولِ اللَّهِ أُسْوَةٌ حَسَنَةٌ ثُمَّ بَعَثَ إِلَيْهِمُ ابْنَ عَبَّاسٍ فَنَاظَرَهُمْ فَرَجَعَ مِنْهُمْ أَرْبَعَةُ آلَافٍ فِيهِمْ عَبْدُ اللَّهِ بْنُ الْكَوَّاءِ فَبَعَثَ عَلِيٌّ إِلَى الْآخَرِينَ أَنْ يَرْجِعُوا فَأَبَوْا فَأَرْسَلَ إِلَيْهِمْ كُونُوا حَيْثُ شِئْتُمْ وَبَيْنَنَا وَبَيْنَكُمْ أَنْ لَا تَسْفِكُوا دَمًا حَرَامًا وَلَا تَقْطَعُوا سَبِيلًا وَلَا تَظْلِمُوا أَحَدًا فَإِنْ فَعَلْتُمْ نَبَذْتُ إِلَيْكُمُ الْحَرْبَ

Abdullāh ibn Šaddād überliefert, dass er bei Ā’isha‘ eintrat, als er aus dem Irāk zurückkehrte als Alī angegriffen wurde. Ā’isha‘ sagte zu ihm: „berichte mir über die Hintergründe von den Leuten die Alī bekämpfen.“ Er [Šaddād] sagte: „Als Alī zu Mu’awīyah schrieb, und sie sich darauf einigten das man [Schiedsrichter] zwischen Ihnen beiden aufstellen soll, waren zweitausend Männer von den Rezitatoren mit ihnen die das Land verließen die man „Harūra“ nannte wegen einem Vorort von Kūfā. Sie klagten gegen Alī und sagten: „Du hast das Kleid womit Allāh DICH kleidete [d.h. Amt des Kalifen], und den Namen mit dem Allāh DICH benannte [Vertreter Gottes auf Erden] abgegeben und lässt dich nun mittels eines Menschen in Allāhs Religion richten doch „Das Urteil liegt einzig bei Allah.“ [12:40] Als Alī dies hörte, sammelte er die Menschen und ließ sich die größten Blätter [des Qur’ān] bringen. So schlug er mit seiner Hand drauf und sagte: „Oh ihr Blätter, richtet über die Menschen!“ Sie [Khawārij] sagten: „Das sind doch kein Person, das ist doch nur Tinte und Papier. Worum es uns geht, ist das was darin überliefert wurde.“ Er sagte: „Das Buch Allāhs ist zwischen mir und ihnen [den Menschen]. Allāh sagte, über die Frauen und Männer: „Und wenn ihr einen Bruch zwischen beiden befürchtet, dann sendet einen Schiedsrichter von seiner Familie…“ Diesen Vers, und die Angelegenheiten der Ummah Muhammads ﷺ sind größer als die Angelegenheit einer Frau oder eines Mann. Und sie forderten Vergeltung über mich weil ich Mu’awīyah schrieb, und doch hat schon der Gesandte Allāhs ﷺ zu Sahl ibn Amr geschrieben. [Und Allāh sagte:] „Wahrlich, ihr habt an dem Gesandten Allahs ein schönes Vorbild…[33:12].“ Dan schickte er ihnen Ibn Abbās, damit er sich mit ihnen auseinandersetzt, sodass viertausend von Ihnen sich wieder bekehren ließen, darunter Abdullāh ibn al-Kawwa. Alī schickte dann zu den verbliebenen von ihnen, dass sie bereuen sollen und sagte: „Bleibt wo auch immer euch lieb ist, denn zwischen mir und euch ist, dass ihr nicht unrechtmäßig Blut vergießt, und das ihr nicht die Wege versperrt und das ihr niemanden unterdrückt. Doch solltet ihr dem zuwider handeln, dann werde ich euch den Krieg erklären.“

[Ahmad, Musnād, Nr. 658; Ibn Hajjar, Fath ul-Bārī, Kapite: Istitābat il-Murtaddīn wa al-Mu’ānidīn wa Qitālihim tark qatal al-Khawārij; al-Bayhaqī, Sunan al-Kubrā, Nr. 16230]

Überliefert bei Bayhaqī mit einem Sahīh Isnād nach al-Bayhaqī von Ubaydullāh ibn Abī Rāfi‘ [radī Allāhu anhu] der vom Gesandten Allāhs ﷺ freigelassenen Sklave sagte:

عَنْ عُبَيْدِ اللَّهِ بْنِ أَبِي رَافِعٍ مَوْلَى رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَنَّ الْحَرُورِيَّةَ لَمَّا خَرَجَتْ وَهُوَ مَعَ عَلِيِّ بْنِ أَبِي طَالِبٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالُوا لَا حُكْمَ إِلَّا لِلَّهِ قَالَ عَلِيٌّ كَلِمَةُ حَقٍّ أُرِيدَ بِهَا بَاطِلٌ إِنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ وَصَفَ نَاسًا إِنِّي لَأَعْرِفُ صِفَتَهُمْ فِي هَؤُلَاءِ يَقُولُونَ الْحَقَّ بِأَلْسِنَتِهِمْ لَا يَجُوزُ هَذَا مِنْهُمْ وَأَشَارَ إِلَى حَلْقِهِ مِنْ أَبْغَضِ خَلْقِ اللَّهِ إِلَيْهِ مِنْهُمْ أَسْوَدُ إِحْدَى يَدَيْهِ طُبْيُ شَاةٍ أَوْ حَلَمَةُ ثَدْيٍ

„Gewiss die Hururīya [Khawārij] kamen heraus mit Alī ibn Abī Tālib [radī Allāhu anhu] und sagten [zu ihm]: „das Urteil gehört Allāh [alleine].“ [d.h. Du hast zwischen uns und Allāh einen vermittelnden Richter gesetzt]
Alī sagte: „Dies sind Worte der Wahrheit, womit jedoch die Falschheit beabsichtigt wird. Wahrlich der Gesandte Allāhs ﷺ beschrieb einige Menschen [vorher prophezeiend] und ich fand ihre Beschreibung bei diesen Leuten wieder. Sie sagen die Wahrheit mit ihren Zungen doch es geht nicht unter ihre Kehlen [kein richtiges Verständnis], und er zeigte dabei auf seinen Kehlkopf. Von den von Allāh am meist gehassten Geschöpfe ist ein schwarzer Mann von ihnen, dessen Hand aussieht wie die Zitze einer Ziege.“

[Muslim, Sahīh, Nr.1066]

Im Qurʾān spricht der Herr der Welten:

قُلْ هَلْ نُنَبِّئُكُم بِالْأَخْسَرِينَ أَعْمَالًا
الَّذِينَ ضَلَّ سَعْيُهُمْ فِي الْحَيَاةِ الدُّنْيَا وَهُمْ يَحْسَبُونَ أَنَّهُمْ يُحْسِنُونَ صُنْعًا

„Sag: Sollen Wir euch Kunde geben von denjenigen, die an ihren Werken am meisten verlieren, deren Bemühen im diesseitigen Leben fehlgeht, während sie meinen, daß sie gut handeln würden? [18:103-104]

Shaykh al-Islām Muḥammad b. ʿAbdillah b. al-ʿArabī al-Andalusī al-Mālikī [gest. 1148 n.Chr.] legte den Vers folgendermaßen aus:

أهل التأويل الفاسد الدليل الذين أخبر الله عنهم بقوله : { فأما الذين في قلوبهم زيغ فيتبعون ما تشابه منه ابتغاء الفتنة وابتغاء تأويله } كأهل حروراء والنهروان ، ومن عمل بعملهم اليوم

„[Dies sind] die Leute der verdorbenen Auslegung [der Texte], über die Allāh mit seiner Aussage berichtete: „Was aber diejenigen angeht, in deren Herzen [Neigung zum] Abschweifen ist, so folgen sie dem, was davon mehrdeutig ist, im Trachten nach Irreführung und im Trachten nach ihrer Missdeutung], wie die Leute von Ḥarūrāʾ und an-Nahrawān* und wer heutzutage ihre Taten begeht.“

[Ibn al-Arabī, ahkām al-Qur’ān, 18:103-104]

*Ḥarūraʾ und an-Nahrawān waren zwei Hochburgen der ersten Periode der Khawārijj, die ʿAlī b. Abī Ṭālib bekämpfte

 

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