November 20, 2017

Taqlīd al-ʿĀmmī lil-ʿĀlim – Des Laiens Nachahmen des Gelehrten

Des Laiens Nachahmen des Gelehrten

Taqlīd al-ʿĀmmī lil-ʿĀlim aus al-Madḫal ilā as-Sunan al-Kubrā

von Imām al-Bayhaqī [1]


Allāh der Allhöchste sprich: „So fragt die Leute des Gedenkens, wenn ihr nicht wisst!“ [21:79] und: „O die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und den Befehlshabenden unter euch! […]“ [4:59]

Ibn ʿAbbās sagte bezüglich dieses Verses:

“Er bezeichnet die Leute des Fiqh und der Religion ebenso wie jene, die Allāh gehorchen und anderen die Bedeutung der Religion beibringen, indem sie zum Guten rufen und [den Menschen] das Schlechte verbieten. Allāh machte es zur Pflicht, ihnen zu gehorchen.“ [2]

Abū Hurayra erläuterte diesen Vers genauso, um „die Befehlshabenden“ [al-ʾumarāʾ] zu definieren und Wakiʿ sagte: „Er [d.h. der Vers] spricht von den Kommandeuren der Streitkräfte [as-sarāyā], welche der Prophet [saw] entsandte.“

Muǧāhid und Ǧābir sagten beide: „[Er bezeichnet] jene von euch, welche Verständnis im Recht [ulī al-fiqh] besitzen.“ Und Ibn ʿAqīl fügte hinzu: „und Rechtschaffenheit [wa-l-ḫayr]“. Al-Ḥasan und ʿAṭāʾ sagten beide, dass die Leute des Fiqh und die Leute des ʿilm bezeichnet.[3]

Muǧāhid sagte: „[Er bezeichnet] jene, welche Fiqh und Wissen Besitzen, ‚wenn ihr miteinander über etwas streitet, dann bringt es vor Allāh‘, d.h. das Buch Allahs, ‚und den Gesandten‘ [4:59], d.h. die Sunna des Gottesgesandten [saw].“ Sodann rezitierte er [Muǧāhid] folgende [Verse]: „hätten sie es doch vor Gott und die Befehlshabenden unter ihnen gebracht, so würden es gewiss jene von ihnen wissen, die es herausfinden können.“ [4:83], und es wird auch überliefert, dass er sagte: „‚und den Befehlshabenden unter euch‘ bezeichnet jene, welche Verständnis in der Religion und Einsicht haben [ulī al-fiqhi fī-d-dīni wa-l-ʿaql].“[4]

Al-Ḥasan sagte: „Es bezeichnet jene, welche Fiqh, ʿIlm, Urteilsvermögen [raʿī] und Verdienstlichkeit [faḍl] besitzen.“[5]

Abū Wāʾil berichtet, dass ʿAbd Allāh b. Masʿūd sagte:

„Heute kam ein Mann zu mir und fragte mich über irgendetwas, wobei ich keine Ahnung hatte, wie ich ihm hätte antworten sollen. Er sagte: ‚Stell dir Männer vor, mündig und tatkräftig, welche mit unseren Befehlshabern auf militärische Expeditionen ausziehen, doch dann von uns Dinge fordern, welche unsere zahlenmäßigen Möglichkeiten übersteigen!‘ Ich antwortete ihm: ‚Ich schwöre bei Allāh, dass ich nicht weiß, wie ich dir anders antworten könnte, als dir zu berichten, dass wir mit dem Gottesgesandten [saw] waren und er uns keinen Befehl mehr als einmal abverlangte, bis wir ihn nicht ausgeführt hatten.‘ Gewiss, jeder von euch wird sich allzeit in gutem Zustand befinden, solange er Allāh fürchtet. Hat jemand eine Sache missverstanden, so soll er einen Mann fragen, der ihn [von seinem Missverständnis] heilt, obgleich ihr nur schwerlich einen solchen finden werdet! Ich schwöre bei Gott, außer dem es niemanden gibt, dass ich mich an die frühere Welt erinnere als kühlen Frühling, deren reinster Teil [ṣafw] aufgezehrt wurde, und nur dessen Verworrenheit geblieben ist.“[6]

Al-Buḫārī überliefert dies in seinem Ṣaḥīḥ von ʿUṯmān b. Abī Šayba, und in einer anderen Version heißt es, dass er sagte:

„Wahrlich, ein jeder von euch wird sich allzeit in gutem Zustand befinden, solange er Allāh, den Allhöchsten, fürchtet. Belastet etwas sein Gewissen, so soll er zu einem Mann des Wissens gehen und diesen bitten, ihn zu heilen. O, bei Allāh! Gewiss, ihr werdet nur schwerlich solch einen finden!

Saʿīd b. Wahb überliefert, dass ʿAbd Allāh b. Masʿūd sagte:

„Die Menschen werden sich allzeit in gutem Zustand befinden, solange sie ihr Wissen von ihren Älteren nehmen, ihren Vertrauten und ihren Wissenden. Beginnen sie jedoch, es von ihren Jungen, ihren Verdorbenen zu nehmen, so werden sie der Vernichtung anheimfallen!“[7]

 

Quelle der Übersetzung www.Ikhlas.de


 

[1] Entnommen aus dessen al-Madḫal ilā as-Sunan al-Kubrā, Band 1, S. 237-247. Die Überlieferungsketten wurden sämtlich der besseren Leserlichkeit wegen gekürzt.

Erläuternde Anmerkungen und Fußnoten wenn nicht anders vermerkt entnommen aus: Haddad, Gibril Fouad, Sunna Notes – Studies in Ḥadith & Doctrine, Vol II, 2005, S. 27-29.

[2] Überliefert von al-Ḥākim (1:123), siehe auch aṣ-Ṣuyūṭī in ad-Durr al-Manṯūr (2:176) und Ibn Kaṯīr in dessen Tafsīr (2:303).

[3] Überliefert als Aussage von Ǧābir von al-Ḥākim (1:122-123 ṣaḥīḥ), siehe Ibn Abī Šayba (6:418); ʿAṭāʾ von ad-Dārimī, Muqadimma seiner Sunan, aṭ-Ṭabarī, Tafsīr (5:94) und Abū Ḫayṯama in al-ʿilm S.124 §62; al-Ḥasan und Muǧāhid in ʿAbd ar-Razzāqs Tafsīr (1:166); Abū al-ʿĀliya bei Ibn Abī Šayba; Abū Hurayra (siehe Ibn Abi Šayba 6:418), Wakiʿ, und Muǧāhid bei al-Aʿmaš in Nusḫat Wakiʿ (§19-20), und aṭ-Ṭabarī, Tafsīr (5:93-94). Letzterer überliefert auch von Ibn ʿAbbās und Maymūn b. Mahrān, dass der Vers die Kommandeure der Streitkräfte bezeichne, wohingegen er von al-Aʿmaš überliefert, dass jener sagte: „jene, welche Fiqh und ʿilm besitzen.“ Ersteres ist die Ansicht aš-Šāfiʿīs in al-Umm und Aḫkām al-Qurʿān, ebenso wie die von al-Buḫārī, laut al-ʿIrāqī in Ṭarḥ at-taṯrīn ist es gar die Mehrheitsansicht [ǧumhūr], die letztere Ansicht ist „die Ansicht der meisten Tābiʿīn und Mālik“, gemäß Ibn al-ʿArabī in dessen Aḫkām al-Qurʿān.

Az-Zaylaʿī in Tabyīn al-Ḫaqāʾiq und Ibn Nuǧaym in al-Baḥr ar-Rāʾiq bevorzugen die letztgenannte als die richtigste Ansicht. Siehe auch: al-Ǧaṣṣāṣ, Aḥkām al-Qurʿān und al-Māwardī, al-aḥkām as-sulṭāniyya.

[4] Aṭ-Ṭabarī und Ḫayṯama, bereits zitiert.

[5] Aṭ-Ṭabarī, siehe oben.

[6] Auch der Prophet [saw] verglich das Zeitalter der Welt mit etwas Regen, der auf einem Felsen niedergegangen ist, wobei ṣafw bereits getrunken wurde, und nichts außer dem kadar, oder dem Bodensatz, übrig blieb. Überliefert von Ibn Masʿūd bei al-Ḥākim (4:320 isnād ṣaḥīḥ, auch nach aḏ-Ḏahhabī) und mawqūf bei al-Buḫārī. aṣ-Ṣuyūṭī erklärte es als gesund in seinem al-Ǧāmiʿ aṣ-Ṣaġīr (§1710). Ibn al-Aṯīr definiert ṣafw und ṣafwa in seinem an-Nihāya als „das beste aller Dinge, die Quintessenz, der reinste Teil.“

[7] Überliefert bei Abū ʿUbayd und Yaʿqūb b. Šayba wie zitiert von Ibn Ḥaǧar in seinem Fatḥ (13:291), Ibn al-Mubārak in az-Zuhd, S. 281, Maʿmar b. Rašīd mit einer gesunden Kette in seinem Ǧamiʿ (in Muṣannaf ʿAbd ar-Razzāq 11:246), aṭ-Ṭabarānī in al-Kabīr (9:114 §8589-8592) und al-Awṣat via Überlieferern, welche al-Hayṯamī als vertrauenswürdig einstuft (1:135), al-Ḫaṭīb überliefert es kettenlos in seinem al-faqīh wa-l-mutafaqqih (2:79)m Ibn ʿAbd al-Barr in Ǧamiʿ Bayān al-ʿilm (1:158, 2:159) und Abū Ḫayṯama in al-ʿilm (§155).

 

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