August 21, 2017

Verbat Abu Hanifa Tawassul durch den Propheten?

Verbat Imām Abū Hanīfah, Allāh möge Sich seiner erbarmen, den Tawassul durch das beste Geschöpf, dem Gesandten Allāhs ﷺ ?

Es wird von Qādī Abū Yūsuf al-Kūfī überliefert, dass al-Imām al-A’dham Abū Hanīfah [rahimahullāh 80-150 n.H.] sagte:

لا ينبغي لأحد أن يدعو الله إلا به، والدعاء المأذون فيه المأمور به ما استفيد من قوله تعالى: (ولله الأسماء الحسنى فادعوه بها

„Es ist nicht angebracht [d.h. Makrūh], das jemand Allāh um etwas bittet außer durch Ihn selbst. Das Bittgebet welches erlaubt ist und trefflich ist, ist das was wir aus Seinen, des Erhabenen, Wörtern entnehmen können: „Und Allāhs sind die schönsten Namen, so bittet Ihn durch Sie.“

[al-Haskafī, Durr ul-Mukhtār; Ibn Ābidīn, Radd ul-Muhtār]

2. Der große Hanafī Mufassir und Faqih Alā ud-Dīn al-Kāsānī [rahimahullāh gest. 587 n.H.] und der große Hanafī Faqīh Kamāl ud-Dīn Ibn Humām [rahimahullāh gest. 861 n.H.] überliefern:

وَيُكْرَهُ لِلرَّجُلِ أَنْ يَقُولَ فِي دُعَائِهِ أَسْأَلُك بِحَقِّ أَنْبِيَائِك وَرُسُلِك وَبِحَقِّ فُلَانٍ ، لِأَنَّهُ لَا حَقَّ لِأَحَدٍ عَلَى اللَّهِ سُبْحَانَهُ وَتَعَالَى جَلَّ شَأْنُهُ

„Und er [Abū Hanīfa] verpönte es dass jemand sagt: „Ich bitte dich bei dem Recht Deines Propheten und Deines Gesandten oder dem Recht von soundso. DENN NIEMAND KANN ALLAH DEN ERHABENEN ZU ETWAS NÖTIGEN.“

[Kāsānī, Badā’i as-Sanā’ī, Band 5/126; Ibn Humām, Fath ul-Qadīr, Band 10, Seite 64]

Zuerst führen wir die Aussage eines Mujtahid Mutlaqs in dieser Sache an. Einem Meister aller vier Rechtsschulen. Dem Šaykh des Islāms und Walī Allāhs, Taqī ud-Dīn Alī as-Subkī [rahimahullāh 683-756 n.H.] in seinem Meisterwerk Šifā us-Siqām, der solche Aussagen wie folgt kommentierte:

ليس المراد بالحق؛ الواجب، فإنه لا يجب على اللهِ شَيْء، وعلى هذا المعناى يحمل ما ورد عن بعض الفقهاء في المتناع من إطلاق هذه اللفظة

„Mit dem Recht [beim Tawassul] ist nicht gemeint, dass es eine Verpflichtung [für Allāh] ist, denn nichts ist für Allah verpflichtend. Das, was von einigen Rechtsgelehrten gennannt wurde, dass die uneingeschränkte Verwendung dieses Begriffs zu unterlassen sei, ist gemäß dieser Bedeutung zu interpretieren.

[Subkī, Šifā us-Siqām, S. 366]

Amīr ul-Fatāwa al-Imām Ibn Ābidīn aš-Šāmī al-Hanafī [rahimahullāh gest. 1252 n.H.] sagte in seinem Kommentar zu Abū Hanīfas Aussage:

قَوْلُهُ وَكُرِهَ قَوْلُهُ بِحَقِّ رُسُلِك إلَخْ هَذَا لَمْ يُخَالِفْ فِيهِ أَبُو يُوسُفَ بِخِلَافِ مَسْأَلَةِ الْمَتْنِ السَّابِقَةِ كَمَا أَفَادَهُ الْأَتْقَانِيُّ . وَفِي التَّتَارْخَانِيَّة وَجَاءَ فِي الْآثَارِ مَا دَلَّ عَلَى الْجَوَازِ قَوْلُهُ لِأَنَّهُ لَا حَقَّ لِلْخَلْقِ عَلَى الْخَالِقِ قَدْ يُقَالُ إنَّهُ لَا حَقَّ لَهُمْ وُجُوبًا عَلَى اللَّهِ تَعَالَى ، لَكِنَّ اللَّهَ سُبْحَانَهُ وَتَعَالَى جَعَلَ لَهُمْ حَقًّا مِنْ فَضْلِهِ أَوْ يُرَادُ بِالْحَقِّ الْحُرْمَةُ وَالْعَظَمَةُ ، فَيَكُونُ مِنْ بَابِ الْوَسِيلَةِ وَقَدْ قَالَ تَعَالَى : – وَابْتَغُوا إلَيْهِ الْوَسِيلَةَ وَقَدْ عَدَّ مِنْ آدَابِ الدُّعَاءِ التَّوَسُّلَ عَلَى مَا فِي الْحِصْنِ ، وَجَاءَ فِي رِوَايَةٍ : “ { اللَّهُمَّ إنِّي أَسْأَلُك بِحَقِّ السَّائِلِينَ عَلَيْك ، وَبِحَقِّ مَمْشَايَ إلَيْك ، فَإِنِّي لَمْ أَخْرُجْ أَشَرًا وَلَا بَطَرًا } “ الْحَدِيثَ ا هـ ط عَنْ شَرْحِ النُّقَايَةِ لِمُنْلَا عَلِيٍّ الْقَارِي وَيُحْتَمَلُ أَنْ يُرَادَ بِحَقِّهِمْ عَلَيْنَا مِنْ وُجُوبِ الْإِيمَانِ بِهِمْ وَتَعْظِيمِهِمْ ، وَفِي الْيَعْقُوبِيَّةِ يُحْتَمَلُ أَنْ يَكُونَ الْحَقُّ مَصْدَرًا لَا صِفَةً مُشَبَّهَةً فَالْمَعْنَى بِحَقِّيَّةِ رُسُلِك فَلَا مَنْعَ فَلْيُتَأَمَّلْ ا هـ أَيْ الْمَعْنَى بِكَوْنِهِمْ حَقًّا لَا بِكَوْنِهِمْ مُسْتَحَقِّينَ

„Was seine Aussage „und seine Aussage ‚bei dem Recht Deines Propheten“ usw. angeht, so widerspricht darin Abū Yūsuf nicht der Angelegenheit des vorherigen Textes, sowie es al-Ataqānī erwähnte. Und im [Buch] „at-Tatārkhānīyat“ findet sich ein Wortlaut, der beweist, dass es erlaubt ist, nämlich seine Aussage „Denn es gibt kein Recht, welches die Schöpfung gegenüber seinem Schöpfer hat“. Und es besagt: „Keiner hat ein verpflichtendes Anrecht [sodass es erfüllt werden muss] bei Allāh, JEDOCH gibt Allāh, gepriesen sei Er, Dingen ein Recht [Haqq] aus seiner Huld heraus oder mit „dem Recht“, ist der [große] Wert und die Hochachtung gemeint. Somit fällt dies in die Art des „sich ein Mittel zu nehmen“, und Allah der Höchste sagt: ۞Trachtet nach Mittel zu Ihm.۞ [5:35] Er [Abū Yūsuf] zählte zum Benehmen beim Bittgebet den Tawassul, und es kommt in einer Überlieferung wie folgt vor, [der Gesandte Allāhs ﷺ sagte]: „Oh Allāh, ich bitte Dich bei dem Recht [Haqq], die diejenigen bei Dir haben, die Dich bitten, und bei dem Recht, die diejenigen bei Dir haben, die zu Dir Wandern…. [Ibn Mādja, Sunan u. Ahmad, Musnad]“ In dem Hadīth. Und es wird überliefert in „Šarh an-Naqāyah“ von Mullāh Alī ul-Qārī [das er sagte:] „und es ist möglich, dass gemeint ist durch ihr Recht gegenüber uns [oder mit] der Voraussetzung des Glaubens an ihnen und sie zu ehren….“

[Ibn Ābidīn, Radd ul-Muhtār]

Noch ein weiterer Hanafī-Gelehrte Khayr ud-Dīn al-Alūsī [rahimahullāh 1317 n.H.] sagte:

وفي جميع متونهم : أن قول الداعي المتوسل : بحق الأنبياء والأولياء ، وبحق البيت الحرام والمشعر الحرام : مكروه كراهة تحريم ، وهي كالحرام في العقوبة بالنار عند محمد ، وعللوا ذلك بقولهم : لأنه لا حق للمخلوق على الخالق

„Und zusammenfassend über die Texte kann man folgendes sagen: „Dass derjenige, der Bittgebete spricht Mittels etwas wie „dem Recht der Propheten und Gottesfreunden, dem Recht des heiligen Hauses [Ka’ba] und den heiligen Plätzen“, so ist es Makrūh eine Verpönnung im Sinne von Harām. Es ist in der Art Harām, dass es mit dem Höllenfeuer bestraft wird, nach Muhammad [aš-Šaybānī]. SIE [DIE SCHÜLER ABU HANIFAS] GABEN DEN GRUND DAFÜR AN, NÄMLICH: KEINER DER GESCHÖPFE KANN DEN SCHÖPFER DAZU NÖTIGEN [ETWAS ZU TUN].“

[Al-Alūsī, Jala‘ al-Aynayn, S. 516-517]

Šaykh Abū Bakr al-Kalābāsī al-Bukhārī al-Hanafī [rahimahullāh gest. 380 n.H.] schreibt:

وبالله أستعين وعليه أتوكل وعلى نبيه أصلي وبه أتوسل ولا حول ولا قوة إلا بالله العلي العظيم

„Und mit Allāhs Hilfe und auf Ihn vertrauen wir, und auf Seinem Propheten schicken wir Segenswünsche, und mit ihm machen wir Tawassul. Und es gibt keine Kraft und keine Macht außer Allāhs, des Hohen, des Allmächtigen.“

[al-Kalābāsī, at-Ta’arraf li-madh’habi ahl it-Tasawwuf, Band 1, Seite 23, Druckversion: Dār Kutub il-Ilmīya]

Der berühmte Kommentator von Sahīh al-Bukhārī Badr ud-Dīn al-Aynī al-Hanafī [rahimahullāh 790-851 n.H.] machte in der Einleitung zu seinem Kommentar folgendes Bittgebet:

ونسأله الإعانة على الاختتام متوسلا بالنبي خير الأنام وآله وصحبه الكرام

„Wir bitten um Allahs Hilfe bei der Vollendung, während wir Tawassul durch das beste aller Geschöpfe den Propheten und seine Familie und ehrenvollen Gefährten machen.“

[al-Aynī, Umdat ul-Qārī, Kapitel: Muqaddima [Einleitung], Band 1 Seite 13]

Imām Nūr ud-Dīn Alī ul-Qārī al-Hanafī [rahimahullāh zwischen 940-950-1013 n.H.] schreibt:

فليس لنا شفيع غيرك نؤمله، ولا رجاء غير بابك نصله،فاستغفر لنا واشفع لنا إلى ربك يا شفيع المذنبين

„Und für uns gibt es keinen Fürsprecher außer dir. Und es gibt kein Ort wo wir hingehen können außer zu deiner Tür, damit du Ihn für uns bittest. So bitte für uns um Vergebung, und spreche für uns zu unserem Herrn, oh du Fürsprecher der Sündiger.“

[al-Qārī, Šarh uš-Šamā’il]

Der hanafītische Großgelehrte Muhammad ibn Ābidīn aš-Šāmī macht ein Bittgebet zu Allāh, den Herrlichen, welches wie folgt lautet:

وإني أسأله تعالى متوسلا إليه بنبيه الكريم

„Wahrlich, ich bitte Allāh, den Erhabenen, mittels [mutawassilan] Seines gnädigen Propheten ﷺ […] Dass er meine Taten annimmt.“

[Ibn Ābidīn, Dar ul-Muhtār alā Durr il-Mukhtār, Band 1, Seite 71]

Imām Kamāl ud-Dīn ibn al-Humām al-Hanafī [rahimahullāh gest. 861 n.H.] der diese Überlieferung von Abū Hanīfah selbst überlieferte, sagte im Kapitel über das Bereisen des Grabes des Propheten ﷺ:

وَأَعْظَمُ الْمَسَائِلِ وَأَهَمُّهَا سُؤَالُ حُسْنِ الْخَاتِمَةِ وَالرِّضْوَانِ وَالْمَغْفِرَةِ ، ثُمَّ يَسْأَلُ النَّبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ الشَّفَاعَةَ فَيَقُولُ . يَا رَسُولَ اللَّهِ أَسْأَلُك الشَّفَاعَةَ ، يَا رَسُولَ اللَّهِ أَسْأَلُك الشَّفَاعَةَ وَأَتَوَسَّلُ بِك إلَى اللَّهِ فِي أَنْ أَمُوتَ مُسْلِمًا عَلَى مِلَّتِك وَسُنَّتِك ، وَيَذْكُرُ كُلَّ مَا كَانَ مِنْ قَبِيلِ الِاسْتِعْطَافِ وَالرِّفْقِ بِهِ ، وَيَجْتَنِبُ الْأَلْفَاظَ الدَّالَّةَ عَلَى الْإِدْلَالِ وَالْقُرْبِ مِنْ الْمُخَاطَب فَإِنَّهُ سُوءُ أَدَبٍ . وَعَنْ ابْنِ أَبِي فُدَيْكٍ قَالَ : سَمِعْت بَعْضَ مَنْ أَدْرَكْت يَقُولُ : بَلَغَنَا أَنَّهُ مَنْ وَقَفَ عِنْدَ قَبْرِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَتَلَا هَذِهِ الْآيَةَ { إنَّ اللَّهَ وَمَلَائِكَتَهُ يُصَلُّونَ عَلَى النَّبِيِّ } الْآيَةَ ، ثُمَّ قَالَ : صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَا مُحَمَّدُ سَبْعِينَ مَرَّةً ، نَادَاهُ مَلَكٌ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ وَعَلَيْك يَا فُلَانُ وَلَمْ تَسْقُطْ لَهُ حَاجَةٌ

„Und die Größte der religiösen Angelegenheiten und die Wichtigste davon ist es, nach einem guten Ende zu bitten und Allāh, den Erhabenen, um Seine Zufriedenheit und Vergebung zu bitten. Und dann den Propheten ﷺ um seine Fürsprache zu bitten, indem man sagt: „Oh Gesandter Allāhs! Ich bitte dich um deine Fürsprache. Oh Gesandter Allāhs! Ich nehme dich zum Mittel [tawassul bika] zu Allāh, um als Muslim zu sterben auf deiner Religion und deiner Sunnah[…]. Und es wird von Abī Fadīk überliefert, dass er sagte: „Ich habe die, die ich sah, sagen hören: „Wir hörten von dem, der vor dem Grab des Propheten stand, folgenden Vers rezitieren: Wahrlich, Allah sendet Segnungen auf den Propheten, und Seine Engel bitten darum für ihn. O ihr, die ihr glaubt, bittet (auch) ihr für ihn und wünscht ihm Frieden in aller Ehrerbietung. [33:56], und dann sage: „Segen Allāhs und Frieden seien auf dir, oh Muhammad!“ Siebzig mal.“

[Ibn al-Humām, Fath ul-Qadīr, Band 3, Seite 181, Druckversion: Dār ul-Fikr]

Selbigen und ähnliche Bittgebete werden im Konsens von den Gelehrten Deobands ebenfalls überliefert.

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